Interview mit Ubiranan Pataxó, dem Sohn des spirituellen Führers der Gemeinde des indigenen Volkes Pataxó in Coroa Vermelha, Bahia, Brasilien

 

„Pataxó ist Regenwasser, das auf die Erde und auf die Felsen schlägt und weiter fließt zum Meer.“ [1][2]

 

 

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview nimmst. Mein Name ist Inga und ich komme aus Deutschland. Kannst Du mir ein wenig über die Tradition Deines Volkes erzählen und welche Medizinen Ihr zur Heilung verwendet:

Ubiranan: Es ist mir ein Vergnügen. Mein Name ist Ubiranan. Ich komme aus dem Stamm der Pataxó. Ich bin der Sohn eines Pajé [3]. Auch ich werde Pajé genannt. Und über unsere Medizinen: Die Pajés sind das Schlüsselstück in den indigenen Gemeinden. Der Wald ist für uns sehr wertvoll. Der Wald ist der Ort, in dem wir lauschen und unsere Rohstoffe für unsere Alternativmedizin suchen, die aus dem Wald kommt. Der Wald beherbergt eine immense Vielfalt an Rohstoffen. 

Wir haben auch Medizinen, die wir verwenden, um eine Atmosphäre zwischen uns und um eine Verbindung zu unserem Gott zu schaffen, unserem Schöpfergott, der den Himmel und die Erde geschaffen hat, und der der Beschützer des Waldes ist. 

Und wir Indigene haben die Mission der Fürsorge, der Pflege und Erhaltung der Umwelt. Die Pajés sind ein Schlüsselstück, weil sie spezielle spirituelle Gaben haben. Sie haben spezielle Visionen und eine Verbindung zu unserem Gott. Sie haben ein besonderes Verständnis für Heilung und durch sie bewahren wir die Kontinuität unserer Medizinen. Die Pajés müssen einen guten Spirit und eine Verbindung mit unserem Gott haben.

Wie kannst Du Euren Gott beschreiben? 

Ubiranan: Unser Gott heißt Ciratan. Jede ethnische Zugehörigkeit verwendet unterschiedliche Namen. In unserer Sprache heißt er Ciratan. Der Gott, der alles erschaffen hat. Er schuf uns, die Weißen, die Schwarzen... Nur sein Name ändert sich in den verschiedenen Sprachen. 

 

Ist Euer Gott ein großer Spirit, eine große Energie?

Ubiranan: Wenn wir uns auf unseren Gott konzentrieren, können wir eine große höhere Kraft fühlen. Es gibt keine Erklärung. Nur, die ihn suchen können ihn kennenlernen.

 

Und diese große höhere Kraft erkennt man natürlicherweise als die Kraft Gottes?

Ubiranan: Ja, und diese Kraft kommt mit einem Spirit, der Heilige Geist des Himmels, der auf die Erde herabsteigt, der in den Wald eintritt, in die Tiere, die Indios, die Weißen und die Schwarzen eintritt. Doch neben der Anwesenheit unseres Gottes gibt es die Anwesenheit des Feindes. Es gibt einige, die den Feind suchen und danach etwas Schlechtes rufen. Aber wenn wir uns bedanken und uns mit gutem Spirit und guter Energie stärken und nach guten Dingen suchen, dann wird etwas Gutes sich verstärken. Wenn wir nicht zu unserem Beschützer, unserem Gott gehen, dann werden wir keine Antwort erhalten. 

 

Es gibt also diese Polarität zwischen guten und schlechten Energien?

Ubiranan: Genau. Denn in der Welt, in der wir leben gibt es Legionen von Dämonen, von schlechten Dingen, die wir nur durch das Gebet bekämpfen können. Wir stärken uns also nur durch unseren Gott, den wir suchen. Und der Indio, der Weiße und der Schwarze sind gleich. Unser Gott kann sie alle dazu benutzen, um Gutes zu tun und der Feind kann dies auch um Schlechtes zu tun. 

Ist Gott vielleicht auch eine Form des Bewusstseins? 

Ubiranan: Nun, es kommt immer auf die Art der einzelnen Person an. Gott kann seine Kraft benutzen durch wen er will, wo er will und in allen Kulturen. Nur er hat diese Macht. Und die Pajés haben diese Verbindung zur spirituellen Welt und manchmal sind einige nicht richtig vorbereitet. Der Pajé wird nicht einfach zu einem Pajé. Sie werden mit bestimmten Gaben geboren. Ein Cacique [4] ist ein Führer, der das Kommando über den gesamten Stamm hat. Er ist ein sehr starker Führer. Heute kann man auch durch eine Wahl in der Gemeinde zum Pajé werden und wenn sie ihre Rolle gut in der Gemeinschaft ausfüllen dann können sie bleiben. Der Pajé hat Kenntnis der Pflanzen, der Kräuter und hat eine Gabe zu beten und durch sein Gebet hat er die Verbindung zu unserem Gott. Gott kann durch ihn Heilungen für, andere Personen vollziehen. Und es ist wichtig Vertrauen und Glauben zu haben. Wenn du eine Person bist, die wenig Vertrauen und Glauben hat, wirst du nicht viele Dinge sehen, wirst du nicht viel verstehen. Wir müssen das kreieren, was wir für uns wollen. Ich glaube an einen Gott, der alles kann. Wenn ich bete, spüre ich, dass er mit mir spricht. Deswegen lebe ich in Frieden und in Ruhe und ich fühle mich gut dabei, unseren Frieden und unsere Ruhe auf andere Menschen zu übertragen, die manchmal keinen Frieden haben. Wir übertragen unseren Frieden auf viele. Ich weiß, es gibt Personen, die an viele verschiedene Götter glauben, aber der Gott an den ich glaube ist der, der alles kreiert hat.

 

Ich verstehe. Aber glaubst Du nicht auch, dass Gott in Dir drin ist, dass Du selbst Gott bist?

Ubiranan: Nein, ich glaube nicht, dass ich ein Gott bin, denn wenn wir alle ein Gott wären, würden wir an viele Götter glauben. Und das macht für mich keinen Sinn, denn in dem Moment, in dem du Gott suchst, wirst du etwas Übernatürliches fühlen, etwas anderes, das nicht gewöhnlich ist und du nicht überall fühlen kannst. Also es ist etwas anderes. 

 

Was denkst Du über die Zerstörung des Waldes? Hast Du eine Vision für die Zukunft? Was denkst Du wird mit diesem Planeten passieren?

Ubiranan: Mit der Zerstörung des Waldes wird die Menschheit verschwinden. Und es gibt bereits einen Vorschlag von unserem Gott. Wir schätzen unseren Gott, wir danken unserem Gott. Denn viele tun alles nur aus einer Motivation der Gier heraus und vergessen, dass wir einen Beschützer haben, dem wir danken sollten. Und dann vergeht immer mehr Zeit und irgendwann gibt es nichts mehr, dass wir finden könnten. Und hier gibt es die Seite des Schlechten und die Seite des Guten und des Lichts und diese Seite ist unser Gott und die schlechte Seite ist die Zerstörung. Dies ist eine Art zu denken, eine Art, wie sie mein Vater mir beigebracht hat und es ist das, was ich fühle und was er fühlt.

Ich denke, wenn jetzt alles zerstört wird, wird die Natur in ein paar tausend Jahren zurückkehren. Die Menschen nicht. Ich denke, es wird eine höhere Form der Existenz geben...

Ubiranan: Und es kann sein, dass unser Gott unser Leben in ein anderes transformiert, damit die Menschen verstehen, was er kann. Er kann die Welt, das Universum in seine Hand nehmen. Er kann alles sehen. Er kennt dich bereits im Unterleib deiner Mutter. Wir glauben an die Ewigkeit. Wir glauben an einen Ort, an dem wir geboren werden und unser Gott uns nicht sterben lassen wird und dass nicht alles enden wird. Wir glauben an ein Leben in das wir gehen und das uns Frieden bringt. Ein anderer Ort, da die Welt, wie wir sie kennen sich selbst zerstört. Aber wir werden nicht sterben. Jeder Sonnenschein wird zu einem neuen Sonnenschein werden. 

Das ist, was ich glaube. Das ist meine spirituelle Erziehung mit Gott. Ich weiß, dass er in allem wirkt. Aber es gibt Menschen, die damit nicht verbunden sind und die die guten Dinge zerstören, die Gott uns gegeben hat, und das werden diejenigen bezahlen, die nicht den richtigen Weg gesucht haben.

 

Wie ist die Rolle der Frau im Schamanismus? Können auch Frauen Schamanen sein?

Ubiranan: Ja, das können sie. Es gibt viele indigene Völker, die auch Schamaninnen haben. Sie besitzen auch die Fähigkeit. Aber der Schamane oder die Schamanin ist immer eine Person, die die Fähigkeit hat zu beten, eine Person, die sich konzentriert. Aber es gibt auch Personen, die diese Fähigkeiten auf andere Weise nutzen, zum Beispiel Scharlatane. Die können täuschen. Die können beten und Geld dafür nehmen, das kann ein Indio sein, ein Weißer, ein Schwarzer, ein Pastor, ein Priester...

Aber um ein Schamane oder eine Schamanin zu sein, muss man eine spirituelle Verbindung zu unserem Gott haben, um hier auf Erden eine Verbindung zum Himmel herzustellen.

 

Das Wichtigste für den Schamanismus ist also die Verbindung mit der spirituellen Welt und die Fähigkeit, in diese Dimension gelangen zu können?

Ubiranan: Genau. In der Dimension, in der du weißt, dass es etwas gibt, dass dich beschützt und das übernatürlich ist. Ich bewundere unseren Gott, er lügt nicht. Er kann von jedem auf der Welt gleichermaßen bewundert werden.

Es gibt viele verschiedene indigene Völker in Brasilien. Hat Dein Volk Kontakt mit anderen Völkern?

Ubiranan: Heute gibt es in Brasilien mehr als 240 indigene Völker [5]. Und im Amazonasgebiet befinden sich die meisten dieser Völker. Und in meinem Pataxó-Stamm sind wir etwas über 20.000. Ich habe Kontakt zu einigen anderen ethnischen Gruppen. Ich treffe sie bei regionalen oder überregionalen Indigenen-Spielen. Und es gibt bereits Indigene-Spiele, die weltweit stattfinden. Wir machen einen Austausch, reden und tauschen unsere Kultur und Artefakte untereinander. [6]

 

Aber in der Vergangenheit gab es auch Kriege unter den Völkern?

Ubiranan: In der Vergangenheit gab es viele Kriege, weil niemand die Sprache des anderen kannte und verstand. Niemand sprach dieselbe Sprache und die Stämme waren sehr kriegerisch und gewalttätig. Heute sind sie ruhiger, auch weil wir zusammenkommen. Vorher war es schwieriger, zusammenzukommen, weil niemand die Sprache des anderen sprach. Auch können wir heute mit der Technologie lernen. Und auch der Spirit/Geist unseres Gottes verbindet uns, weil wir eine sehr große Mission in der Menschheit haben. Wir schützen den Wald für die gesamte Menschheit und die Weißen, die Stadtmenschen betrachten dies nicht mit Respekt. Sie denken, dass wir Indigene wie Steine in ihren Schuhen sind.

 

Aber nicht alle Weißen denken so...

Ubiranan: Nein, nicht alle. Wir identifizieren uns mit den Weißen, die gut sind und die gleichen Gedanken haben wie wir. Hier spreche ich über die gierigen Menschen, die den Wald zerstören, um viele Dinge zu bauen. Dinge, die ihnen nichts bringen werden. Dinge, die gute Momente bringen, aber nicht auf den Weg in die Ewigkeit führen, einen Weg in eine Welt ohne Gewalt, Tod und Leid. 

 

Könnte es auch sein, dass die Religion der Weißen ein Problem ist?

Ubiranan: Es kommt drauf an. Es hängt von jeder einzelnen Person ab. Was wir nicht haben können, sind Vorurteile. Du verfolgst deine Religion, verfolgst das, was du sein willst, aber der dich formen, verändern und stärken wird ist der heilige Geist Gottes. Du musst also wissen, ob es ein heiliger Geist ist oder ob es auch ein schlechter Geist ist. Du musst wissen, dass es Menschen gibt, die dir manchmal Dinge übermitteln, die du für die Wahrheit hältst, die aber nicht die Wahrheit sind. Deswegen musst du, bevor du etwas suchst in der Lage sein, zu Hause zu beten. Und unser Gott wird dir viele Dinge erklären, die du nicht weißt. Aber Religion existiert seit dem Beginn der Welt. Wie auch die Politik seit der Entstehung des Christentums existiert. Man kann eine gute Politik machen, um Menschen zusammenzubringen, aber jetzt Menschen gegen Menschen zu hetzen, ist eine Politik, die verletzt und zerstört.

Was denkst Du über diesen Bolsonaro?

Ubiranan: Viele Indios mögen ihn nicht. Aber ich sage, dass wir haben keine Angst. Denn bevor er in der Regierung war, existierten wir bereits. Also er kann viel Schlechtes tun, aber wir haben das Gebet, durch das wir unseren Gott suchen. Unser Gott platziert und unser Gott nimmt weg, alles hat seinen Moment. Also viele Menschen machen sich Sorgen, aber ich mache mir keine Sorgen, denn wenn es eine Schrift gibt, dann wird all dies geschehen, werden gute und schlechte Dinge passieren, und wir werden unserem Gott in guten und in schlechten Zeiten danken. Weil er uns unterstützen wird.

 

Ich mache mir Sorgen, dass der Amazonas-Regenwald zerstört wird...

Ubiranan: Also ich denke, sie werden dazu nicht die Macht haben. Sie werden es trotzdem versuchen, aber unser Gott wird es nicht zulassen, weil sein Wille geschehen wird und weil er die Umwelt schützt. Ich glaube sehr, dass es Veränderungen geben wird. Sie tun uns sehr weh, den Indios, den Schwarzen, aber Gott spricht immer, er wird über diejenigen, die den Demütigen weh tun, sein Urteil fällen. Also mache ich mir keine Sorgen.

Können Weiße auch einen "indigenen Spirit/Geist" haben?

Ubiranan: Ja. Es gibt zum Beispiel auch viele Indios, die eine schlechte Seite haben. Einige versuchen, sich für Geld zu verkaufen. Und es gibt auch viele Weiße, die den Indios ähnlich sind. Und was ich dir bereits gesagt habe, das Wichtigste ist die spirituelle Verbindung. Du musst deinen anderen und speziellen Moment haben. Du musst anders sein. Du kannst nicht gleich sein und das tun was alle tun. Dein Pfad muss vom Pfad des Schlechten abweichen.

 

Was denkst Du über Deutschland?

Ubiranan: Ich, Ubinraran vom Volk Pataxó umarme alle Menschen in Deutschland, die unser Brasilien kennenlernen möchten, die uns in unseren Belangen helfen und unser Land verteidigen und die unser Volk kennenlernen möchten. Denn durch die Unterstützung unseres Landes, unserer Natur und Fauna werden auch andere Länder unterstützt. Eines Tages wird mein Gott mich dazu bringen, mich mit vielen Nationen und mit vielen Völkern zu vereinen und er wird mich dazu verwenden, mit Präsidenten und  Gouverneuren zu sprechen. Durch unseren Gott werde ich für sie beten, damit sie den Schutz fühlen, der unsere Mission ist. Sie können nicht zerstören, was unser Gott bereits geschrieben hat.

 

Ihr verwendet kein Ayahuasca. Welche Medizinen oder Kräuter verwendet Ihr?

Ubiranan: Also, es gibt Medizinen, die von den Indios des Nordens verwendet werden, und es gibt andere, die von den Indios hier in Bahia verwendet werden. Ich verwende die Medizin, wie ich es von meinem Vater gelernt habe. Verschiedene Öle, Essenzen zum Trinken, zur Massage, zum Baden. Es sind gute Essenzen, die mir gut tun und mich gut fühlen lassen. Und sie werden verwendet zusammen mit unseren Liedern, unseren Gebeten, unserer Sprache und wir danken immer unserem Gott, der alles erschaffen hat.

 

Möchtest Du auch mich etwas fragen?

Ubiranan: Was denkst Du über unseren Stamm, was denkst Du über unser Interview?

 

Ich fand es sehr schön und interessant. In vielen Punkten stimme ich Dir zu, zum Beipiel wenn es um den Schutz der Umwelt geht. Und diese große übernatürliche Kraft fühlte ich auch bereits. Ich kann mich mit Deinem Volk identifizieren und ich fühle mich dem Geist der Ureinwohner sehr nahe.

Ubiranan: Ich bedanke mich für Deinen Besuch. Sei willkommen in unserem Pataxó-Stamm und, dass unser Gott Dich beschützt. Denn wenn ich Dich anschaue sehe ich, dass Du einen Geist des Friedens, einen Geist des Lichts hast. Ich sehe, wohin er dich führen wird und dass du uns in der Zukunft helfen wirst. Du wirst dich für einen Stamm einsetzen, von dem du noch gar nichts weißt. Du hast etwas, einen Frieden, vermittelst Frieden und Du wirst in der Zukunft etwas verstehen, dass unser Gott Dir sagen wird. Du wirst vielen Menschen in Brasilien oder in Ihrem Land helfen und den Menschen dabei helfen, sich besser zu fühlen. 

 

Vielen Dank. Es macht mich glücklich, dies zu hören.

 


Die Pataxó

Die Pataxó leben in mehreren Dörfern im äußersten Süden des Bundesstaates Bahia und im Norden des Bundesstaates Minas Gerais in Brasilien. In Bahia leben die Pataxó in 36 Dörfern, die auf sechs indigene Gebiete verteilt sind: Águas Belas, Aldeia Velha, Barra Velha, Imbiriba, Coroa Vermelha und Mata Medonha. Sie liegen in den Gemeinden Santa Cruz Cabrália, Porto Seguro, Itamaraju und Prado. Die Gemeinde Coroa Vermelha, stellt die jüngste dieser Formationen dar und ist durch die Aktivität des durch Touristenströme belebten Kunsthandwerkes angeregt. Coroa Vermelha befindet sich am Ufer der Autobahn, die Porto Seguro mit Santa Cruz de Cabrália verbindet und liegt in der Nähe dieser beiden Städte. 

Der Lebensraum der Pataxó umfasst ein Gebiet mit Mangroven- und Sandland entlang der Küste sowie Feld- und Waldstreifen im Landesinneren. Gemäß einer im Jahr 2010 durchgeführten Volkszählung belief sich die Gesamtzahl der Pataxó auf 13.588 Einwohner. 

Seit dem 16. Jahrhundert stehen die Pataxó mit Nicht-Indianern in Kontakt, der durch die landwirtschaftliche Expansion der brasilianischen Gesellschaft erreicht wurde und oft gewaltsam ablief. Insgesamt zeichnen sich die Pataxó heute durch eine gewisse emotionale Instabilität aus, die aus einer Reihe von Ereignissen resultiert, die sich im Laufe der Geschichte ereignet haben - Konfrontation mit Polizeikräften (1951), Schiffbruch mit einer großen Anzahl von Opfern (1969), Reibereien mit der Wache des Monte Pascoal Nationalparks [7] seit seiner Gründung und vieles mehr. In jüngster Zeit hat die Fehlleitung der Landfrage durch die FUNAI [8] ihre soziale Organisation weiterhin geschwächt und ihre internen Beziehungen sowie ihre Beziehungen zur umliegenden Gesellschaft äußerst unsicher gemacht.

Heute spricht das gesamte Pataxó-Volk fließend regionales Portugiesisch, wobei einige Personen einzelne Wörter (Substantive und Adjektive) aus einer Sprache verwenden, die von Maxacalí entlehnt wurde, einem indigenen Volk in einer nahe gelegenen Region, das sich bereits im Bundesstaat Minas Gerais befindet. Die Bedeutung dieses Darlehens für die Pataxó ist so groß, dass sie Maxacalí tendenziell als ihre eigene Sprache anerkennen. Die Pataxó die in der Vergangenheit häufig gezwungen waren, ihre Bräuche zu verbergen bemühen sich heute aber um eine Wiederbelebung ihrer Sprache – die  Patxohã-Sprache („die Sprache der Krieger“) – sowie ihrer Kultur und Rituale.

Die wirtschaftlichen Grundaktivitäten des Volkes Pataxó umfassen Landwirtschaft, Pflanzen- und Tiersammlung, Fischerei, Piassava- und Holzernte, handwerkliche Produktion, Handelstätigkeiten (industrialisierte Produkte) und Jagd. Die handwerkliche Produktion hat sich sowohl in Bezug auf den Markt als auch in Bezug auf die technische Entwicklung weit entwickelt und wird als wichtigstes Mittel für die Beziehung zwischen den Pataxó und dem nationalen Markt angesehen.

Das ethnopharmakologische Wissen der Pataxó ist durch Auswanderungen aus der Gemeinschaft und durch Bedrohungen der biologischen Vielfalt durch Entwaldung, Bergbau und Tourismus unter Druck geraten. Jedoch konnten nach einer 2012 durchgeführten Studie 48 von den Indios der Pataxó im Süden Bahias verwendete Heilpflanzen identifiziert und klassifiziert werden. [9] 

Weitere Informationen können Sie unter den folgenden Quellen finden (auf Portugiesisch):

https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Pataxó

http://web.archive.org/web/20160616204718/http://portal.mj.gov.br/data/Pages/MJA63EBC0EITEMID97E40658299248708ABD93B127495C90PTBRNN.htm

http://www.scielo.br/scielo.php?pid=S1516-05722012000100012&script=sci_abstract&tlng=pt

http://www.funai.gov.br/arquivos/conteudo/cogedi/pdf/Series/Aragwaksa_Pataxo/Aragwaksa_PlanoGestao_Pataxo.pdf

[1] Übersetzung des Originalzitats: „Pataxó é água da chuva batendo na terra, nas pedras, e indo embora para o rio e o mar.” Kanátyo Pataxó, Txopai e Itôhâ, 1997. Gefunden in: https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Pataxó

[2] Pataxó ist die Selbstbezeichnung, die dieses Volk verwendet. Vgl. https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Pataxó

[3] Der Begriff "Pajé" bezeichnet den spirituellen Führer, Ratgeber und Heiler eines indigenen Stammes. Das Wort kommt von den Tupi Guarani Völkern. Der Pajé (Schamane) gilt als die wichtigste Figur der indigenen Stämme in Brasilien. Siehe: https://www.meusdicionarios.com.br/paje

[4] Als Cacique wird der politische Führer eines indigenen Stammes bezeichnet .

[5] In Brasilien leben heute etwa 305 Stämme, was ungefähr 900.000 Menschen oder 0,4% der brasilianischen Bevölkerung entspricht. Die Regierung hat für ihre indigene Bevölkerung 690 Gebiete anerkannt, die etwa 13% der brasilianischen Landmasse ausmachen. Fast das gesamte reservierte Land (98,5%) liegt im Amazonas. Vgl. https://www.survivalinternational.org/tribes/brazilian

[6] Die „Indigenous Games“ („Indigene Spiele“) sind sportliche und kulturelle Veranstaltungen, die jährlich stattfinden. Mehrere Mannschaften nehmen an verschiedenen und sportlichen Veranstaltungen teil, wobei ein gemeinsames Hauptmotto gefeiert wird. Die „Pataxó Indigenous Games“ („Pataxó Indigene Spiele“) zum Beispiel sind eine sportliche und kulturelle Veranstaltung, die jährlich im April in der Gemeinde Coroa Vermelha stattfinden. Die erste Ausgabe dieser Spiele fand im Jahr 2000 statt und basierte auf den „National Indigenous Games“ („Nationale Indigene Spiele“), an denen auch die Pataxó teilnehmen. Wurden in den ersten Ausgaben der Spiele die Teams nur von Mitgliedern der Coroa Vermelha-Gemeinde gebildet, werden heute neben anderen Dörfern der Pataxó die gesamte indigene Gemeinde mobilisiert. Ungefähr 15 Tage vor den Spielen beginnen die Ausarbeitung der Körperschmuckstücke und die Vorbereitung der Personen, die teilnehmen. Zu den Sportarten zählen unter anderem Holz- und Maraca-Rennen, Fußball und Bogenschießen. Die Spiele sind ein Moment der Stärkung der kulturellen Identität der teilnehmenden Gruppen. Vgl. https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Pataxó

[7] Der Nationalpark Monte Pascoal (portugiesisch: Parque Nacional e Histórico do Monte Pascoal) ist ein Nationalpark im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Er befindet sich im atlantischen Wald und umfasst eine Fläche von 22.332 Hektar, von denen sich 8.627 Hektar mit dem indigenen Land der Barra Velha überschneiden. Vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Monte_Pascoal_National_Park

[8] FUNAI (A Fundação Nacional do Índio) ist die offizielle indigene Organisation des brasilianischen Staates. Sie wurde durch das Gesetz Nr. 5.371 vom 5. Dezember 1967 in Verbindung mit dem Justizministerium geschaffen und ist die Koordinatorin und Hauptvollstreckerin der indigenen Politik der Bundesregierung. Ihre institutionelle Aufgabe ist es, die Rechte der indigenen Völker in Brasilien zu schützen und zu fördern. Vgl. http://www.funai.gov.br/index.php/quem-somos

[9] Mehr zu den von den Pataxó verwendeten Kräutern und Medizinen: http://www.abhorticultura.com.br/EventosX2/EventosX/Trabalhos/EV_1/A680_T934_Comp.pdf

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